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Planetary Health in der Versorgungsforschung

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Die dramatischen Auswirkungen der Klimakrise wurden auch in Europa in den letzten Jahren immer erkennbarer. Besonders präsent sind in Deutschland noch die Bilder der Flutkatastrophe im Juli 2021. Auch die extreme Hitzewelle 2019 und die Dürreperioden in den Jahren 2018 und 2019 verdeutlichen die Auswirkungen des Klimawandels im Land und die Folgen für unsere Gesundheit. In Klimamodellen wird prognostiziert, dass solche Extremwetterereignisse in den nächsten Jahren zunehmen werden. Doch nicht nur diese Ereignisse bilden eine Gefahr für die Gesundheit, auch die veränderten klimatischen Bedingungen, wie allgemein mildere Temperaturen über das gesamte Jahr hinweg, bringen neue Gesundheitsrisiken mit sich. Auch die WHO hat die große Gefahr durch den Klimawandel für unsere Gesundheit erkannt und spricht über den Klimawandel von der größten Gesundheitsgefahr für die Menschheit.

Mit dem Begriff »Planetary Health« hat sich in den letzten Jahren eine neue Fachdisziplin etabliert. Dahinter steckt das Konzept, dass die Gesundheit des Menschen von der Gesundheit des Planeten Erde abhängt. Es gilt, den Gesundheitssektor (Versorgende, Infrastruktur, Patient:innen) auf veränderte Krankheitsbilder und Notfallsituationen vorzubereiten, um den Auswirkungen des Klimawandels, die sich heute nicht mehr verhindern lassen, zu begegnen (»Manage the unavoidable!«). Gleichzeitig gilt es für den Gesundheitssektor Klimaschutzpotenziale aufzudecken, um den Klimawandel, soweit es möglich ist, einzudämmen (»Avoid the unmanageable!«).

Es lässt sich eine Vielzahl von Gesundheitsauswirkungen ausgelöst durch die Folgen des Klimawandels in Deutschland benennen. Es folgt eine Liste mit Beispielen:

Extremwetterereignisse

  • Akute Lebensgefahr
  • Im Fall von schweren Gewittern: Es kommt zu einer erhöhten Freisetzung von Partikeln und Pollen in der Atmosphäre nach Gewittern, auf die Asthmatiker:innen besonders stark reagieren. Studien fanden eine Häufung von Asthmaattacken.    
  • Krankheiten durch verunreinigtes Trinkwasser mit Schadstoffen oder anderen Krankheitserregern
  • Psychische Erkrankungen: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Depression, Ängste, Solastalgie

Hitzeereignisse

  • Steigerung des Herzinfarktrisikos und weitere Probleme des Herzkreislaufsystems
  • Hitzeschläge und -kollapse sowie Dehydrierung mit langfristigem Thromboserisiko
  • Hitzeschläge können zudem das Risiko von akuten Nierenerkrankungen steigern
  • Langfristig können Hitzeperioden eine Dekompensation von Vorerkrankungen hervorrufen
  • Arzneimittelinteraktionen, wenn die  Medikamenteneinnahme nicht an die Lufttemperatur angepasst wird
  • Panikattacken als Folge der allgemeinen Erwärmung der Luft

Erhöhte UV-Strahlung

  • Vermehrtes Auftreten von Hautkrebs

Bildung von bodennahem Ozon bei einer Häufung von heißen Tagen

  • In manchen Fällen kann das Ozongas bis ins Lungengewebe eindringen und dort Gewebeschädigungen und Entzündungen hervorrufen. Das führt zu Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen.

Verstärkte und längere Pollenflüge durch den Anstieg der mittleren Lufttemperatur

  • Allergiesaison startet früher und hält länger an
  • Vermehrte Pollenbildung durch die Zunahme an CO2 in der Luft ruft stärkere Allergiereaktionen hervor
  • Die Ansiedlung von neuen Pflanzenarten und Ausbreitung von allergenen Pflanzen verschärft die Situation von Allergiker:innen

Ansiedlung und Vermehrung von Vektoren durch günstigere Temperaturen

  • Vorkommen von (neuen) Infektionskrankheiten

Allgemeine Veränderung der Lebensumgebung

  • Suizide
  • »Ecoanxiety«: Die Angst, die dadurch entsteht, dass Menschen ständig von den bedrohlichen Problemen im Zusammenhang mit dem Klimawandel umgeben sind.
  • »Ecoparalysis«: Das Gefühl der Hilflosigkeit gegen die Auswirkungen des Klimawandels nichts ausrichten zu können.

Die Versorgungsforschung mit Routinedaten bietet vielseitige Möglichkeiten auch im Rahmen von Planetary Health. Zum einen kann die Prävalenz von Krankheiten zu bestimmten Wetterereignissen oder in bestimmten Wetterperioden untersucht werden. Auch können die Entwicklung von Krankheitsverläufen oder die Inzidenzen über einen langen Zeitraum abgebildet und in Bezug zu Daten der Klimaentwicklung gesetzt werden. Auf Basis von vorliegenden Diagnosen sowie Daten zu soziodemografischen Merkmalen der Patient:innen lassen sich bei solchen Auswertungen Risikogruppen identifizieren. Die Verknüpfung von Routinedaten mit Klimadaten bietet zudem die Möglichkeit der Identifikation von Gesundheitsrisiken durch Klimaveränderungen, was eine verbesserte Versorgungsplanung ermöglicht. Auch können Präventionsmaßnahmen anhand der Informationen aus den Daten abgeleitet werden und die Bedarfsplanung an das Inanspruchnahmeverhalten angepasst werden. Eine besondere Rolle spielt die geografische Auswertung: durch die kleinräumige Verknüpfung der Gesundheitsdaten mit Klimadaten kann zwischen Regionen innerhalb Deutschlands verglichen werden und so Risikogebiete für spezifische Krankheitsverläufe während bestimmten Klimaereignissen identifiziert werden.

Laufzeit: 2023–2023
Projektpartner: in der Entwicklung
Methoden: Regionale Analysen
Themen: Planetary Health, Population health, Themenentwicklung
Daten: Datenlinkage, GKV-Routinedaten, Geodaten